Frankfurt (Oder) und Słubice: Ideen aus Cascais für mehr Beteiligung
Eine neunköpfige Delegation aus der Doppelstadt war zu einem Studienaufenthalt in der portugiesischen Stadt Cascais, die 2026 den Titel „Europäische Demokratie-Hauptstadt“ trägt. Anlass war die Nominierung eines gemeinsamen Projekts für einen europäischen Innovationspreis.
Das deutsch-polnische Projekt „Grenzerfahrungen – Monat der politischen Bildung“ war für den Preis des „The Innovation in Politics Institute“ aus Wien nominiert. Unter 350 Bewerbungen aus ganz Europa schaffte es in die Endauswahl der 80 besten Initiativen. Für eine der acht Auszeichnungen reichte es zwar nicht, das Projekt fand aber große internationale Anerkennung. „Wir waren das einzige Projekt, das zwei Länder eng miteinander verband. Unsere inhaltliche Vielfalt und die starke Projektpartnerschaft mit über 20 beteiligten Einrichtungen aus beiden Städten fanden große Anerkennung“, sagt Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums. Die Kosten der Reise wurden vollständig aus Erasmus-Mitteln der Stadt Cottbus finanziert.

Gemeinsam mit der EU-Bürgerbeauftragten Teresa Anjinho (Mitte), v. l. n. r.: Sylwia Cor (Gemeinde Słubice), Sören Bollmann, Lea Nienhoff und Mateusz Weis-Banaszczyk (Stadt Frankfurt (Oder)).
Neue Ideen für Beteiligung und Demokratiebildung
In Cascais lernten die Teilnehmenden zahlreiche Projekte aus europäischen Kommunen kennen. Die Gastgeberstadt beeindruckte mit vielfältigen Beteiligungsmöglichkeiten; so werden Einwohnerinnen und Einwohner etwa bei der Entwicklung öffentlicher Einrichtungen einbezogen. Lea Marie Nienhoff, Projektkoordinatorin Kultur der Stadt Frankfurt (Oder), blieb vor allem ein schwedisches Projekt in Erinnerung, das Menschen mit sehr unterschiedlichen politischen Ansichten ins Gespräch bringt: „Es ist möglich, Berührungspunkte zwischen den Extremen zu schaffen. Das macht Mut!“
Beim ebenfalls nominierten Projekt „Youth Voice“ entwickeln Jugendliche gemeinsam mit Schulen, Fachleuten und Politik konkrete Verbesserungsvorschläge. Mehr als 2.270 Schülerinnen und Schüler sowie 150 Lehrkräfte haben bereits mitgemacht; erreicht wurden unter anderem kostenlose Busfahrten in der Region Cascais. „Junge Menschen wollen nicht nur gehört werden, sie möchten mitgestalten und Verantwortung übernehmen“, sagt Marta Rusek, Projekt- und Veranstaltungsmanagerin im Kooperationszentrum.
Martin Hampel von der pewobe gGmbH beeindruckte, dass in Cascais laufend geprüft wird, wen die Beteiligungsangebote erreichen und wer bislang fehlt. Vorgestellt wurde auch das ausgezeichnete spanische Projekt „Navarra Mobile Citizen Office“, bei dem mobile Bürgerbüros Menschen in strukturschwachen Regionen erreichen. Mateusz Weis-Banaszczyk, Referent für Bürgerbeteiligung der Stadt Frankfurt (Oder), zieht ein positives Fazit: Der Austausch liefere wichtige Impulse, um Bürgerbeteiligung, soziale Inklusion und demokratische Teilhabe auch in Frankfurt (Oder) zu stärken.

Martin Hampel (pewobe gGmbH) während des World Cafés der 80 nominierten Projekte.
Erfahrungen aus der Doppelstadt vorgestellt
Die Delegation stellte auch eigene Angebote vor, darunter die Deutsch-Polnische Erwachsenenakademie und Digitalkurse für Seniorinnen und Senioren, die von Jugendlichen gestaltet werden. „Um die Menschen in unserer Doppelstadt nachhaltig zu erreichen, müssen wir Angebote auch dorthin bringen, wo sie im Alltag unterwegs sind: mitten in die Stadtteile und auf die Straße“, sagt Aneta Szcześniewicz, Netzwerkkoordinatorin für kulturelle, politische und Demokratiebildung im Kooperationszentrum.
Zur Delegation gehörten Mitarbeitende der Stadtverwaltungen Frankfurt (Oder) und Słubice, der Stiftung Collegium Polonicum und der pewobe gGmbH. Alle arbeiten in der AG Politische Bildung der Doppelstadt zusammen.
Quelle und Fotos: Stadt Frankfurt (Oder)




