Arbeitsmarkt in Ostbrandenburg: Quote steigt im Juli auf 6,7 Prozent
Im Juli waren in der Stadt Frankfurt (Oder), im Landkreis Märkisch-Oderland und im Landkreis Oder-Spree insgesamt 15.322 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 491 mehr als im Juni und 325 mehr als im Juli des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 6,7 Prozent, nach 6,6 Prozent im Juli 2025.
Saisonaler Anstieg fällt stärker aus als üblich
Der Chef der Arbeitsagenturen in Ostbrandenburg, Jochem Freyer, führt den Anstieg vor allem auf die übliche Sommerpause zurück, weist aber darauf hin, dass er in diesem Jahr deutlicher ausfällt als sonst. Der Arbeitsmarkt zeige insgesamt wenig Bewegung, viele Unternehmen würden derzeit eher zurückhaltend als expansiv agieren.
„Der Arbeitsmarkt bleibt ohne Dynamik, die meisten Unternehmen stehen eher auf der Bremse als auf dem Gaspedal." Jochem Freyer, Chef der Arbeitsagenturen Ostbrandenburg
Freyer verweist zugleich auf angekündigte Einstellungen bei Tesla und Ceva Logistics, die zuversichtlich stimmen. Spürbare Entlastung für den regionalen Arbeitsmarkt werde davon aber erst in den kommenden Monaten ausgehen.
Der Arbeitsmarkt im Detail
Im Juli meldeten sich 2.967 Menschen neu arbeitslos, 801 mehr als im Juni und 483 mehr als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig beendeten 2.485 Menschen ihre Arbeitslosigkeit, 131 mehr als im Juni.
6.234 Menschen galten als langzeitarbeitslos, ein leichter Anstieg von 35 gegenüber dem Vormonat. Unter den unter 25-Jährigen waren 1.669 Menschen ohne Arbeit, 175 mehr als im Vormonat; die Jugendarbeitslosenquote kletterte damit auf 8,5 Prozent (Vorjahr: 8,3 Prozent).
Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an den Arbeitslosen lag bei 20,9 Prozent beziehungsweise 3.205 Personen, das sind 25 weniger als im Vormonat und 62 weniger als vor einem Jahr.
Weniger neue Stellenmeldungen
Die regionalen Unternehmen meldeten im Juli 681 neue offene Stellen, 939 weniger als im Juni. Insgesamt waren 3.168 Stellen als vakant gemeldet, 173 weniger als im Vormonat. Gefragt waren vor allem Kranführer und Hebeeinrichtungs-Helfer, Lagerhelfer sowie Fachkräfte in der Mechatronik.
Bei den Jobcentern im Bezirk der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder) waren im Juli 9.363 Menschen arbeitslos gemeldet, 79 mehr als im Juni, aber 391 weniger als im Juli 2025. Neue Kurzarbeit wurde im Juli nicht angezeigt; nach vorläufigen Hochrechnungen hatten im März 20 Betriebe der Region mit insgesamt 135 Beschäftigten kurzgearbeitet.
Regionale Unterschiede
Zwischen den drei Regionen zeigen sich deutliche Unterschiede: In der Stadt Frankfurt (Oder) liegt die Arbeitslosenquote bei 10,1 Prozent, im Landkreis Oder-Spree bei 6,5 Prozent und im Landkreis Märkisch-Oderland bei 6,0 Prozent.
| Region | Arbeitslose | Quote | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Frankfurt (Oder), Stadt | 2.983 | 10,1 % | +255 |
| Märkisch-Oderland | 6.252 | 6,0 % | +127 |
| Oder-Spree | 6.087 | 6,5 % | −57 |
In der Stadt Frankfurt (Oder) wurden 913 Arbeitslose von der Agentur für Arbeit und 2.070 vom Jobcenter betreut. Gesucht wurden hier vor allem Fachkräfte in Verwaltung, Recht und Buchhaltung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Im Landkreis Märkisch-Oderland lagen die meisten neuen Stellenangebote in Produktion und Fertigung, im Landkreis Oder-Spree ebenfalls, mit besonders vielen neuen Stellen in diesem Bereich.
Ausbildungsmarkt: Noch viele offene Lehrstellen
Seit Beginn des laufenden Berufsberatungsjahres im Oktober haben sich 2.015 Jugendliche als Lehrstellenbewerber gemeldet, 183 mehr als im Vorjahreszeitraum. 962 von ihnen suchen noch einen Ausbildungsplatz. Die Betriebe der Region meldeten im selben Zeitraum 2.032 Ausbildungsstellen, von denen aktuell noch 804 unbesetzt sind.
Marco Schulz, Geschäftsführer des Jobcenter Märkisch-Oderland, weist darauf hin, dass viele Betriebe noch motivierte Jugendliche für offene Ausbildungsstellen suchen. Wer sich noch unsicher sei, welcher Beruf passe, könne sich über ein Praktikum einen Eindruck verschaffen, etwa über die Praktikumsbörse www.einfachpraktikum.de. Auch nach einer Ausbildung, die nicht direkt in eine Anstellung mündet, stünden Beratung und Vermittlungsangebote zur Verfügung, persönlich, telefonisch oder online über die App des Jobcenters oder unter https://jobcenter-mol.de.
Kathleen Nepp, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenter Frankfurt (Oder), betont den langfristigen Nutzen einer Ausbildung: Wer eine Ausbildung abschließe, verdiene anschließend mehr als Ungelernte und trage ein deutlich geringeres Risiko, arbeitslos zu werden. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt der Unterschied im voraussichtlichen Brutto-Lebensverdienst bei rund 400.000 Euro. Bei Unsicherheiten könne man sich jederzeit, auch nach Ausbildungsbeginn, bei der JugendBerufsAgentur Frankfurt (Oder) beraten lassen.




