Start Hauptkategorie Veranstaltungen Ausgestellt: 100 Jahre Kleist in Frankfurt (Oder) 

Ausgestellt: 100 Jahre Kleist in Frankfurt (Oder) 

186
0
Garnisonschule, heute Kleist-Museum, ca. 1917 (c)Kleist-Museum

Seit 100 Jahren wird an Frankfurts wohl berühmtesten Sohn, den Dichter Heinrich von Kleist, auf besondere museale Art erinnert. Kleist wurde laut Kirchenbuch am 18. Oktober 1777 in der Oderstadt geboren und studierte hier. Er erschoss sich am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee in Berlin. Obwohl Kleist zu Lebzeiten wenig bekannt war, wird er heute international für seine Dramen, Anekdoten und Novellen verehrt. Ein Denkmal in seiner Geburtsstadt wurde 1910 errichtet, der erste Erinnerungsraum zwölf Jahre später in seinem Geburtshaus eröffnet – vor genau 100 Jahren. Bis heute steht das einzige Kleist-Museum der Welt in Frankfurt (Oder), das nicht nur das größte Literaturmuseum Brandenburgs ist, sondern auch eines der schönsten in Europa. 

Am 22. November 1922 eröffnete auf Anregung der 1920 gegründeten Kleist-Gesellschaft der Vorläufer des heutigen Kleist-Museums. Im Erdgeschoss des Geburtshauses Heinrich von Kleists im „Nonnenwinkel“ hinter der Marienkirche richtete man ein Gedächtniszimmer mit zeitgenössischen Möbeln und Gegenständen ein, dem im April 1923 ein zweites folgte. 1937 erhielten die Zimmer für Heinrich und Ewald Christian von Kleist ein neues Domizil im Oderland-Museum (Lienau-Haus). Sowohl das Geburtshaus als auch das Oderland-Museum fielen im April 1945 Flammen zum Opfer. Auf dem Grundstück des Geburtshauses baut die Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) ein neues Wohn- und Geschäftshaus, in dem zukünftig in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum an den historischen Ort erinnert werden soll. 

Anlässlich der 700-Jahr-Feier von Frankfurt (Oder) 1953 öffnete eine Kleist-Gedenkstätte, als Provisorium gedacht, im Haus der Stadtbücherei. Dort blieb sie bis zum Umzug in die Garnisonschule, welche zu einem Museumsgebäude umfunktioniert wurde. Nach der feierlichen Eröffnung 1969 stellte das Museum in fünf Räumen aus. 

Mit der Wiedervereinigung 1990 blieb die Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte zunächst in städtischer Verwaltung und wurde ab 1995 als vereinseigene Institution mit öffentlichen Mitteln finanziert, die vom Bund, vom Land Brandenburg sowie der Stadt Frankfurt (Oder) bereitgestellt wurden. 2013 wurde die ehemalige Garnisonschule schließlich um einen modernen Neubau ergänzt und die bis heute laufende ständige Ausstellung „Rätsel. Kämpfe. Brüche.“ eröffnet. Seit dem 1. Januar 2019 ist das Kleist-Museum eine öffentlich-rechtliche Landesstiftung. „In den letzten 100 Jahren hat sich das Ausstellen von Kleist stark gewandelt. Während in der Anfangszeit die Huldigung Kleists im Vordergrund stand, wurde zu DDR-Zeiten mehr Wert auf die sachliche Darstellung seines Lebens und vor allem der Rezeption seiner Werke gelegt. Zugleich wurde mit dem systematischen Aufbau einer Sammlung begonnen“, so Dr. Barbara Gribnitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Kleist-Museum. 

Mit mehr als 100.000 Bestandseinheiten in den Sammlungen und der Bibliothek beherbergt, pflegt und erforscht das Kleist-Museum die weltweit größte Anzahl an Objekten von und zu Kleist, seinen Schriften und seinem zeitgenössischen Umfeld. Neben Gemälden, Theatralia, einer Sammlung sämtlicher Erstausgaben, Handschriften, Klassikerausgaben, multimedialer Objekte etc. befinden sich Vor- und Nachlässe renommierter Kleist-Forscher*innen aus dem 20. Jahrhundert im Archiv. Auch 100 Bände der sogenannten „Kleistiana“, historische Zeitschriftensammlungen (ab Mitte des 19. Jahrhunderts) zu Heinrich von Kleist, sind Teil der Sammlung. 16 Bände wurden 2022 restauriert und digitalisiert, um sie der Forschung dauerhaft und nachhaltig zur Verfügung stellen zu können. „Die Geschichte des Kleist- Museums ist genauso spannend wie die von Kleist selbst, da an ihr kulturelle, gesellschaftliche und politische Entwicklungen der jeweiligen Zeit darzustellen sind, die noch so manche Fragen aufwerfen“, führt Gribnitz weiter aus. 

Die Stiftung Kleist-Museum saniert derzeit den Museumsaltbau, ein spätbarockes Einzeldenkmal, bei zeitweise eingeschränktem Ausstellungsbetrieb. Alle Besucher und Besucherinnen erhalten seit dem 8. November bei Erwerb eines regulären Tickets den Katalog zur Dauerausstellung im Wert von 19,50 Euro bis einschließlich 11. Dezember 2022 gratis. Die aktuelle Sonderausstellung „Kleist romantisch“ ist noch bis zum 15. Januar 2023 zu sehen. 

Wenn Sie Fragen zur Geschichte des Kleist-Museums, unserer Arbeit, den Ausstellungen oder zu Heinrich von Kleist haben, stehen wir Ihnen gerne für Interviews zur Verfügung. 

Quelle: Stiftung Kleist-Museum 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

5 × 1 =