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Berlin-Brandenburger Naturkosthandel verstetigt Rekordumsätze 

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Nach Erhebungen der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) lagen die Umsätze des Naturkostfachhandels (Bio-Supermärkte, Bio-Lieferdienste, handwerklich arbeitende Bio-Betriebe und Bio-Direktvermarkter) in Berlin-Brandenburg 2021 bei 717 Millionen Euro (2020: 715 Millionen Euro). Somit konnten die Rekordumsätze des Jahres 2020 auch in 2021 verstetigt werden  ein beachtlicher Erfolg für die regionale Bio-Branche, immerhin galt es, den Umsatzsprung in Höhe von stolzen 23 Prozent (2019 zu 2020) zu behaupten.

Leichtes Minus im Bio-Einzelhandel  Wachstum bei Bio-Lieferdiensten 

Im klassischen Naturkosteinzelhandel gingen die Umsätze auf bestehender Fläche leicht zurück, die Bio-Supermärkte konnten ihre hohen Umsatzzuwächse aus dem ersten Corona-Jahr 2020 dank weiterer Filialeröffnungen halten und bleiben damit die wichtigste Konstante des Bio-Absatzmarktes. Marktführer in der Hauptstadtregion ist weiterhin die Bio Company (55 Filialen), gefolgt von denns Biomarkt (49 Filialen), Alnatura (21 Filialen) sowie der LPG (9 Filialen).

Weiter bergauf ging es erneut bei den regionalen Bio-Lieferservice-Anbietern: Nach dem absoluten Ausnahmejahr 2020 mit mehr als 60 Prozent Wachstum verzeichneten sie erneut Zuwächse von durchschnittlich 23 Prozent. Die drei größten Anbieter  Brodowiner Lieferservice, Landkorb und Märkische Kiste  stehen mittlerweile für mehr als 30 Millionen Euro Umsatz.

Signale und Weichenstellungen aus Politik und Verwaltung: Ökoaktionsplan Brandenburg

Die regionale wie die deutsche Bio-Branche beobachtet mit großem Interesse, wie die politischen Aussagen und Vereinbarungen zum Flächenanteil für den Ökolandbau umgesetzt werden sollen. Auf Brandenburger Landesebene steht das Ziel bei 20 %, auf EU- und Bundesebene bei 30 % Flächenanteil.

Den Anfang machte das Land Brandenburg im vergangenen Jahr mit der Ausarbeitung des Ökoaktionsplans Brandenburg, mit dessen Hilfe bis Ende der laufenden Legislatur in 2024 der 20-%-Ökoflächenanteil erreicht werden soll. Ziel des Ökoaktionsplans ist es, Angebot und Nachfrage im Gleichklang zu entwickeln.

Auf der Angebotsseite soll die wachsende Nachfrage nach Bio insbesondere durch gezieltere Produktion und die Steigerung der Wertschöpfungstiefe in der Region bedient werden. Dazu definiert der Ökoaktionsplan vier Handlungsfelder: Die Steigerung der Wertschöpfung, die Stärkung des Wissenstransfers, die Förderung von Umstellung und Beratung und die Verbesserung der Vernetzung. So will das Brandenburger Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) eine neue Förderrichtlinie für klimaschonende Wertschöpfungsketten formulieren, einen regionalen Bio-Marktbericht erstellen lassen und Marktinformationsveranstaltungen durchführen. Begrüßenswert ist, dass der Ökoaktionsplan nicht nur die Bio-Fläche, sondern die gesamte ökologische Lebensmittelwirtschaft  von Erzeugung, Verarbeitung bis zum Verbraucher  im Blick hat.

Neu: Bio-Zeichen Brandenburg

Am 26.01.2022 hat das MLUK das Bio-Regionalzeichen bio Brandenburg. Gesicherte Qualität vorgestellt. Die Ausweisung der beiden Qualitätsmerkmale Bio und Regionalität ist ein wichtiger Meilenstein vor allem für den Auf- und Ausbau einer regionalen Versorgungsstruktur für die Gemeinschaftsverpflegung in der Hauptstadtregion.

Berlin bekennt sich klar zu Bio aus Brandenburg, kann aber bislang in den öffentlichen Ausschreibungen wegen des Diskriminierungsverbots der EU nur Bio, nicht jedoch dessen Herkunft adressieren. Neue Produktions- und Vorverarbeitungsstrukturen für die Belieferung der großen Nachfrage in der Hauptstadtregion werden aber nur entstehen, wenn man sich mit dem Kriterium der regionalen Herkunft gegen überregionale Anbieter absetzen und damit behaupten kann.

Die FÖL ist zugleich von den Brandenburger Öko-Anbauverbänden beauftragter Lizenznehmer des Bio-Regionalzeichens. Aufgabe des Lizenznehmers ist es, das Regionalzeichen an die eigentlichen Zeichennutzer zu vergeben und die Einhaltung der vorgegebenen Kriterien zu überwachen.

Die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Brandenburg

Da das MLUK die Zahlen für die Entwicklung der Brandenburger Ökofläche mit Stichtag 31.12.2021 noch nicht veröffentlicht hat, können hierzu keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Nach inoffiziellen Rückmeldungen aus der Branche ist jedoch ein erneuter Zuwachs wahrscheinlich.

Angesichts des größeren Zutrauens der umstellungsinteressierten Landwirte in die Verlässlichkeit des nunmehr grün geführten Landwirtschaftsministeriums ist davon auszugehen, dass das Interesse an einer Umstellung auf den ökologischen Landbau in Brandenburg weiter anhält. So übertraf die Brandenburger Umstellungsrate 2019 nach 13 Jahren erstmals wieder die deutsche Zuwachsrate. 

Endlich: Umstellungsförderung für Ackerflächen

Entscheidend dürfte zukünftig noch eine weitere Weichenstellung sein: Erstmals seit über 20 Jahren unterstützt Brandenburg umstellungswillige Betriebe in den beiden ersten und betriebswirtschaftlich herausfordernden Jahren wieder mit einer Umstellungsprämie für Ackerland in Höhe von zusätzlich 100,- Euro pro ha.

Dies ist nicht nur ein Bekenntnis zu mehr Ökofläche, sondern auch als wirksames Instrument für mehr Bio zu verstehen: In der zweijährigen Umstellungsphase müssen sich die Betriebsleitungen auf ein völlig neues Anbausystem einlassen, neue Fruchtfolgen erproben und teilweise erhebliche bauliche Investitionen in der Tierhaltung tätigen. Da die gleichzeitig sinkenden Ernteerträge noch nicht als Bio-Ware verkauft werden können, hilft die Umstellungsprämie unmittelbar, den Sprung in die ökologische Wirtschaftsweise zu wagen.

Für die weitere Entwicklung der Bio-Branche ist dies umso wichtiger, als in einzelnen Marktsegmenten wie z.B. bei Geflügel- oder Schweinefleisch die mangelnde Verfügbarkeit nach der in den beiden Vorjahren gestiegenen Nachfrage bereits wieder als Wachstumsbremse wirkt

Quelle: Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.

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