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Beweidungsprojekt am Lossower Burgwall wird vorbereitet

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In diesem Jahr beginnt mit Unterstützung der Unteren Naturschutz- und der Unteren Denkmalschutzbehörde am Lossower Burgwall ein Beweidungsprojekt der Deutschen Bahn (DB) Fahrwegdienste GmbH. Dazu sollen Burenziegen eingesetzt werden.

Aktuell ist das steile Gelände verbuscht und der maschinelle Pflegeeinsatz aufwendig, weshalb sieben Burenziegen künftig hier weiden werden. Diese leiht Schäferin Sandra Lippert an die DB Fahrwegdienste aus.

Die Ziegen gehören zu einer Rasse, die ursprünglich aus Südafrika stammt. Das macht sie sehr robust und besonders tolerant gegenüber hohen Temperaturen.

Mit diesem Vorhaben werden mehrere Ziele des Bereiches Umwelt- und Projektmanagement (UPM) realisiert: Zum einen wird auf der 0,5 Hektar großen Fläche entlang der Bahnstrecke 6153 der weitere Gehölzaufwuchs unterbunden, der an dieser Stelle aus Naturschutzprioritäten sowie aus Gründen des archäologischen Denkmalschutzes nicht erwünscht ist. Zum anderen soll die Beweidung einen wertvollen Trockenrasen sichern, in dem sich seltene und geschützte trockenheitsliebende Pflanzenarten befinden. Diese gehören in den Lebensraumtyp der Subpannonischen Steppen-Trockenrasen, sind also für Deutschland außergewöhnlich. Daher wurde hier das Naturschutzgebiet „Eichwald mit Tzschetzschnower Schweiz und Steiler Wand“ ausgewiesen. Dieses 580 Hektar große Naturschutzgebiet der landschaftlich strukturreichen Mittleren Oder ist Teil des europäischen Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebietsnetzes.

Zudem bietet das Projekt Schutz für archäologische Befunde innerhalb des Lossower Burgwalls, der in der Bronzezeit vor etwa 3.200 Jahren errichtet worden ist. Die berühmte bronzene Widderstatuette, die in den Grabungskampagnen von Ines Beilke-Voigt (2007 bis 2009) entdeckt wurde, belegt Kontakte der damaligen Bewohnerinnen und Bewohner bis in den griechischen Kulturraum hinein.

1844 wurde der Burgwall beim Anlegen der Eisenbahnlinie Berlin-Breslau durchschnitten. Bei Erweiterungsarbeiten für diesen Durchstich wurden 1926 die sogenannten Opferschächte entdeckt. Es handelt sich hierbei um Gruben und bis zu acht Meter tiefe Schächte, in denen Tier- und Menschenknochen sowie vollständige menschliche Skelette gefunden wurden. Diese sind jedoch rund 400 Jahre jünger als der Burgwall selbst und stammen aus der Eisenzeit.

Die als Opferschächte interpretierten Befunde wurden nach dem Verfüllen mit einer „Lehmplombe“ oben abgedeckt. Daraus lässt sich ein absichtliches Handeln der damaligen Menschen im vermutlich kultischen Rahmen ableiten. Der Innenraum des Burgwalls war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr besiedelt, jedoch rituell genutzt. Die Untersuchungen von Wilhelm Unverzagt in den Jahren 1926 bis 1929 mussten aufgrund der Bahnarbeiten zügig ausgeführt werden. Daher verblieb eine Vielzahl der Schächte noch un- oder nur teiluntersucht in der Böschung der Bahnlinie.

Durch das nun beginnende Vorhaben wird der Baumbewuchs niedergehalten. Damit wird auch das Durchwurzeln der noch vorhandenen Schächte deutlich verlangsamt und die Befunderhaltung verbessert.

Das Beweidungsprojekt beinhaltet auch die sorgfältige Planung eines festen, stromführenden Wolfsschutzzaunes. Anhand digitaler Karten aus dem Denkmalamt Frankfurt (Oder) konnte bei der Planung des Zaunbaus zugleich der Schutz der Schächte berücksichtigt werden.

Bei dem Vorhaben greifen die Interessen der Bahnsicherheit, des Naturschutzes sowie des Denkmalschutzes ineinander und sind durch eine gute Kooperation geprägt. Derzeit werden die finalen Vorbereitungen getroffen.

Quelle: Stadt Frankfurt (Oder) Foto: Symbolbild

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