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Foto: Julian Day, 2021

Julian Day
Eine Einführung zum Projekt ‚The Emptiness Quotient‘ (Der Quotient der Leere)

Der Kunstverein Neuzelle lädt am 6.8.22, 19:30 Uhr, zu einer Veranstaltung mit dem australischen Künstler und Komponisten Julian Day in die Kirche Zum Heiligen Kreuz Neuzelle ein. 

Julian Day präsentiert ein langfristig angelegtes künstlerisches Forschungsprojekt, das am Modellcharakter der Stadt Eisenhüttenstadt ansetzt. Julian Day lebt und arbeitet seit einigen Jahren in New York, zuletzt verbrachte er einen Forschungsaufenthalt an der Ruskin School of Art in Oxford, den er u.a. für die Arbeit an seinem Projekt zu Eisenhüttenstadt nutzte. Die in Neuzelle gezeigte Videoarbeit wurde dort Mitte Juni zum ersten Mal öffentlich präsentiert. 

Julian Day zeigt zwei Videoarbeiten: ‚Sunspot‘, einen Videoessay auf Grundlage von Aufnahmen, die im Sommer 2021 in Eisenhüttenstadt entstanden waren. Daneben zeigt er ‚New Silesia‘, eine Videoarbeit, die deutsche Gemeinden in Südaustralien porträtiert, die von preußischen Lutheranern im 19ten Jahrhundert gegründet wurden. Die Erschließung neuer Welten ging damals auch vom Landkreis Oder-Spree aus: der Forscher und Entdecker Ludwig Leichhardt, der das Innere Australiens erkundete, stammte aus Trebatsch bei Beeskow. Julian Day bindet hier die Entdeckung und Besiedlung neuer Welten im 19ten Jhdt, die die Welt geformt haben, in der der Künstler aufgewachsen ist, auf das Zukunftsprojekt einer industriellen Modellstadt in einer Region zurück, von der diese Entdeckung auch ausgegangen ist. 

Julian Day kommt in der ersten Augustwoche auch zu weiteren Recherchen und zum Austausch mit Bürgern aus Eisenhüttenstadt und Region. Ergebnisse dieser aktuellsten Auseinandersetzung mit der Stadt werden ebenfalls in Neuzelle gezeigt und besprochen werden. 

Julian Day schreibt zu seinem Projekt: 

‘The Emptiness Quotient’ ist ein Film-, Performance- und Installationsprojekt, das in Eisenhüttenstadt, Deutschland, ansetzt. Es beschäftigt sich mit dem Unterschied zwischen utopischen Entwürfen und ihrer gelebten Realität im Deutschland der Nachwendezeit und setzt mehrere zentrale ethnografische, recherchebasierte und persönlich angelegte, narrative Ansätze in meiner aktuellen Praxis fort. 

Fotos: ©Julian Day

Eisenhüttenstadt ist eine kleine Industriestadt an der Grenze zwischen Deutschland und Polen. Sie entstand 1950 als Stalinstadt und galt in ihrem Ursprung als sozialistische Modellstadt. Ein langer Prozess der Entstalinisierung und der Fall der Berliner Mauer führten zu einer Identitätskrise und zu dem, was die Anthropologin Samantha Maurer Fox als “leeres urbanes Gewebe” bezeichnet. Die Einwohnerzahl hat sich inzwischen mehr als halbiert. Während die Skyline immer noch vom zentralen Stahlwerk dominiert wird (der Name bedeutet “Eisenhüttenstadt”), sind die breiten Straßen, auf welchen die Stadtgemeinschaft in Szene gesetzt wurde, heute weitgehend leer. Es gibt kaum noch ein Empfinden für die Einheit der Stadt. Auf der anderen Seite der Gleise liegt der eigenartige Zwilling von Eisenhüttenstadt, Fürstenberg, eine wunderschön erhaltene Kleinstadt aus dem vierzehnten Jahrhundert. 

Die Arbeiten an dem Projekt knüpfen an ein zweijähriges Engagement in der quasi- utopischen Region New Silesia (Neuschlesien) bzw. Barossa Valley in Südaustralien an, das in Klangskulpturen (zwei neu entworfenen Pfeifenorgeln), einem Zweikanal- Video mit deutschen Chören aus der Region und Performances mit Mitgliedern der örtlichen Gemeinde, Nachfahren preußischer Lutheraner aus dem neunzehnten Jahrhundert, gipfelte. Es verknüpft die Performance-Arbeiten, wie z.B. ‘Together We Breathe’, in der hundert Blechbläser die Library of Birmingham zum Klingen brachten, und ‘International House’, einen lyrischer Essay, der sich mit dem Tod von Leonard Cohen und dem Tod des eigenen Vaters auseinandersetzt. 

Das neben dem Video zu Neuschlesien in der Präsentation gezeigte Video ‘Sunspot’ verwendet gesprochenes und gefilmtes Material, kombiniert Davina Coopers “alltägliche Utopie” mit Stavros Stavrides’ Vorstellung von der Stadt als Gemeingut und bezieht sich auf andere geplante Städte oder gescheiterte Utopien, wie z.B. meinen Geburtsort, Bendigo, eine Goldgräberstadt aus dem 19. Jahrhundert, und Canberra, Australiens berühmte geplante Hauptstadt. 

Konzeption und Organisation: Niklas Nitschke mit den Mitgliedern des Kunstverein im Kloster Neuzelle. Um Anmeldung wird gebeten, mit einer Mail an kvneuzelle@kvneuzelle.de oder unter 0179 / 52 47 736. 

Die Realisierung des ersten Projektteils von Julian Day wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Kulturamts des Landkreises Oder-Spree. 

Quelle: Kunstverein im Kloster Neuzelle

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