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Trotz Krise: Personal halten, Fachkräfte sichern!

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Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit berät zur konjunkturellen Lage und zur Fachkräftesicherung im Land

Das Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit ist heute zu seiner jährlichen Sitzung in Potsdam zusammengekommen. Die Beratungen standen unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und seinen ökonomischen sowie sozialen Folgen. Der Anstieg der Energiepreise und die hohe Inflation stellen Privathaushalte und Unternehmen in allen Wirtschaftszweigen vor große Herausforderungen. Obwohl sich der Arbeitsmarkt bisher robust zeigt, mehren sich die Anzeichen für eine Rezession. Vor diesem Hintergrund appellierten die Mitglieder des Bündnisses an die Unternehmen, ihr Personal auch in Krisenzeiten zu halten. Die Fachkräfteengpässe in Brandenburg sind unvermindert hoch.

In den Beratungen wurde deutlich, dass die große gegenwärtige Herausforderung für Politik und Wirtschaft in der Überlappung und gegenseitigen Verstärkung der Krisen und Trends liegt. Energiekrise und Inflation treffen auf demografischen Wandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Die Bündnispartner waren sich einig dass es massiver Anstrengungen bedürfe, die Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten und den Bestand der Unternehmen sowie der Arbeitsplätze zu erhalten.

Ein Themenschwerpunkt der Sitzung war die Fachkräftesicherung im Land Brandenburg. Im Frühjahr dieses Jahres hat das Kabinett die fortentwickelte Fach- und Arbeitskräftestrategie beschlossen. Diese setzt weiterhin auf das Motto „Fachkräfte Bilden, Halten und Gewinnen“, vollzieht jedoch die veränderten Rahmenbedingungen in Zeiten der digitalen und ökologischen Transformation nach. Die Perspektive der Strategie ist zudem breiter angelegt: Ebenso wie Fachkräfte im engeren Sinne gelte es auch zunehmend grundsätzlich Arbeitskräfte zu sichern.

Ministerpräsident Dietmar Woidke betonte: „Das Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit hat sich seit seiner Gründung im Mai 2016 ausgezeichnet bewährt. Dafür mein Dank allen Beteiligten. Dieser Zusammenhalt und der direkte Austausch sind in Phasen wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Herausforderungen besonders wichtig. Der russische Angriffskrieg hinterlässt überall seine Spuren – auch auf dem Arbeitsmarkt, wo inzwischen die arbeitslosen ukrainischen Geflüchteten erfasst werden. Deshalb hat sich die Landesregierung klar dazu bekannt, gemeinsam mit dem Bund erforderliche Entlastungen für die Wirtschaft auf den Weg zu bringen. Wenn im Dezember der Landtag für das Land Brandenburg die Notlage erklärt, gibt uns das den Handlungsrahmen, um konkrete Hilfsmaßnahmen zu starten. Wir werden nicht gegen die Krise sparen, sondern durch Unterstützung und Investitionen die Krise bekämpfen.“

Arbeitsminister Jörg Steinbach: „In der Energiekrise benötigen wir kurzfristig wirkungsvolle Maßnahmen, um die Energiekosten zu senken. Zugleich müssen wir unsere Energiestruktur weiter umbauen, um unabhängiger zu werden. Wir beobachten zudem, dass Unternehmen eher Investitionen zurückstellen als Personal abzubauen. Aus gutem Grund, denn der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft, Noch vor zehn Jahren waren beispielsweise nur rund 26 Prozent aller bei der Arbeitsagentur ausgeschriebenen Stellen nach drei Monaten noch vakant, heute hat sich der Wert mit rund 54 Prozent mehr als verdoppelt. Deswegen ist es wichtig, dass die Unternehmen ihr Personal auch in Krisenzeiten halten. Und: dass sie auch weiterhin durch Aus- und Weiterbildung Fachkräfte heranbilden. Bleiben werden diese Fachkräfte aber nur bei attraktiven Arbeitsbedingungen im Sinne Guter Arbeit.“

Sozialministerin Ursula Nonnemacher: „Die Fachkräftesicherung in Pflege- und Gesundheitsberufen ist eine enorme Herausforderung. Zu Recht haben die Pflegekräfte gerade während der Pandemie gesagt: ‚Applaus allein reicht uns nicht‘. Gute Pflege braucht gute Bezahlung und Rahmenbedingungen. Gute Pflege braucht auch eine gute Arbeitsorganisation, damit bei einem begrenzten Fachkräftepotenzial Pflegezeit und Pflegequalität erhalten bleiben und auch optimiert werden können. Das Sozialministerium will gemeinsam mit dem Bündnis für Gute Arbeit weiter konkrete Vorschläge erarbeiten, wie die Sicherung der Attraktivität und die Fachkräftesicherung und -bindung in den Gesundheits- und Pflegeberufen weiter gelingen kann.“

Bildungsministerin Britta Ernst: „Die brandenburgische Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche im Land Branden­burg bestmöglich auf eine Ausbildung oder ein Studium und einen anschließenden Beruf vorzu­bereiten. Hierbei sollen frühzeitig Neugier und In­teresse auf unterschiedliche Berufsbilder geweckt werden. Die bestehende Landesstrategie zur Beruflichen Orientierung wurde weiterentwickelt, im Februar 2022 veröffentlicht und ab diesem Schuljahr umgesetzt. Das ist ein wichtiges Vorhaben – seine Umsetzung und sein Gelingen entscheidet mit darüber, ob Jugendliche richtige Berufsentscheidungen treffen und auch wie stabil und erfolgreich sich Brandenburg wirtschaftlich und sozial entwickelt. Ich danke allen Partnern, die dabei mithelfen.“

Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirk Berlin-Brandenburg, sagte anlässlich der Tagung: „Der DGB begrüßt, dass die Brandenburger Landesregierung das Thema Gute Arbeit ernst nimmt. Dazu gibt es leider auch reichlich Anlass – sei es hinsichtlich der großen Zahl von Geringverdienenden, der miserablen Tarifbindung, der Großbaustellen im Bereich beruflicher Aus- und Weiterbildung oder der fehlenden Kontrollen bei Arbeitsschutz und Einhaltung des Mindestlohns. Hinzu kommen die Herausforderungen durch die aktuellen Krisen und die sozial-ökologische Transformation. Wir bringen uns mit unserer Erfahrung und Expertise auch weiter konstruktiv bei deren Bewältigung ein – sei es auf politischer, betrieblicher oder gesellschaftlicher Ebene.“ 

Stefan Moschko, Präsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg: „Wir erleben die tiefste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Niemand weiß, wie lange wir mit dieser Situation umgehen müssen. Die Unternehmen lassen trotzdem nichts unversucht, um ihre Belegschaften zu halten. Ihre Zukunft entscheidet sich schließlich auch an der Frage, ob sie genügend qualifiziertes Personal finden. Hier kann die Wirtschaft noch mehr Unterstützung gebrauchen. Nötig ist nichts weniger als eine Zeitenwende auch in der Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik. Es gilt, alle verfügbaren Potenziale zu mobilisieren – durch mehr Zuwanderung, eine bessere Aus- und Weiterbildung, mehr Flexibilität bei der Lebensarbeitszeit und viele weitere Schritte. Im Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit kommen wir hier beständig voran.“

Dr. Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Gute Arbeit – das kann nur gemeinsam erreicht werden. In Brandenburg ziehen alle Partner an einem Strang. Der Arbeitsmarkt ist weiterhin aufnahmefähig, dynamisch und der Bedarf der Unternehmen ist sehr groß. Brandenburg braucht auch die Berlinerinnen und Berliner sowie die gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften. In Sachen Weiterbildung, auch im fortgeschrittenen Berufsalter, beraten die Agenturen und Jobcenter. Handwerk, Gesundheit und Pflege, Logistik und Handel sowie Gastronomie und Hotellerie bieten sichere und gute Arbeitsplätze mit Zukunft. In jedem Fall gilt: Ausbildungsplätze im eigenen Betrieb anzubieten, ist der beste Weg zur Nachwuchssicherung.“

Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam: „Eine ausreichende Fachkräftebasis ist der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des brandenburgischen Handwerks. Wegen des demografischen Wandels, aber auch wegen der zunehmenden Studierneigung von Jugendlichen, nimmt der Mangel an Fachkräften seit Jahren zu. Die Ziele beim Wohnungsbau und Klimaschutz können aber nur mit dem Handwerk als Umsetzer vor Ort gelingen. Das Handwerk stellt sich dieser Aufgabe und bietet den Beschäftigten in seiner klein- und mittelständisch geprägten Struktur gute Bedingungen für den beruflichen Erfolg. Gerade in den letzten Jahren der Pandemie hat das Handwerk trotz aller Herausforderungen an seinen Fachkräften festgehalten. Auch die Politik ist gefordert, die beruflichen Bildung und insbesondere der betrieblichen Ausbildung zu stärken, die arbeitsmarkt- und betriebsnahe Gestaltung von Fort- und Weiterbildung zu unterstützen und die Zuwanderungsaktivitäten mittelstandsgerecht auszugestalten.“

Hintergrund:

Das „Brandenburger Bündnis für Gute Arbeit“ wurde am 11. Mai 2016 gegründet.  Dem Bündnis gehören unter Vorsitz von Ministerpräsident Woidke das federführende Wirtschafts- und Arbeitsministerium, das Bildungsministerium, das Gesundheitsministerium, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg, die LIGA der freien Wohlfahrtsverbände sowie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit an.

Handlungsschwerpunkte des Bündnisses sind Fachkräftesicherung, gute Ausbildung, Stärkung der Sozialpartnerschaft, höhere Tarifbindung, sicheres und gesundes Arbeiten sowie Arbeitsmarktintegration von benachteiligten Gruppen.

Quelle: MWAE des Landes Brandenburg

 

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