Neue Perspektiven, Grenzüberschreitungen und unerwartete Begegnungen: So werden die Kleist-Festtage 2026
Heinrich von Kleist überschreitet Grenzen – zwischen Recht und Gerechtigkeit, Vernunft und Gefühl, Individuum und Gesellschaft, Vergangenheit und Gegenwart. Die Kleist-Festtage 2026 nehmen diese Spannungen zum Ausgangspunkt und eröffnen zugleich den Weg ins Jubiläumsjahr 2027, in dem sich der Geburtstag des Dichters und Dramatikers zum 250. Mal jährt. Vom 6. bis zum 11. Oktober 2026 laden das Theaterhaus Kleist Forum und das Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) mit Uraufführungen renommierter Ensembles, Diskussionen, einem Konzert und Museumsführungen zu einem Programm ein, das Kleists Werk mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Fragen verbindet.
Termin: 6. bis 11. Oktober 2026
Ort: Theaterhaus Kleist Forum und Kleist-Museum, Frankfurt (Oder)
Vorverkauf: bereits angelaufen – Details siehe unten
Eröffnung an der Grenze zu Słubice
Die diesjährigen Kleist-Festtage bilden zugleich den Auftakt zum Jubiläumsprogramm „Kreuzungen – Intersections. 250 – Kleist“, mit dem im kommenden Jahr der 250. Geburtstag Heinrich von Kleists gefeiert wird. Schon zur Eröffnung am Dienstag, 6. Oktober, wird die Grenze zwischen Frankfurt und Słubice zum künstlerischen Schauplatz: Mit der Performance „Ein Kleid für Käthchen“ der Bürgerbühne im Kleist Forum am Käthchen-Denkmal in Słubice beginnt der Abend, bevor das Publikum zum Kleist-Museum weiterzieht. Dort eröffnet das Künstlerinnenkollektiv Guerilla Architects die „Offene Werkstatt“ – einen Raum für Begegnung, künstlerische Aktionen und gemeinsames Denken. Bereits am 8. Oktober präsentieren dort Studierende der Europa-Universität Viadrina ihre Projekte zum Kleist-Jubiläum zwischen Forschung, Gestaltung und Wissenschaftskommunikation.
Kleists Käthchen neu gelesen
Auch im weiteren Festivalprogramm geht es um Grenzgänge und neue Perspektiven auf Kleist. In der Uraufführung „Kätzchen Käthchen“ der Bürgerbühne im Kleist Forum am Donnerstag, 8. Oktober (bereits ausverkauft), begegnen sieben junge Performer:innen der Figur aus Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“ und fragen nach tradierten Frauenbildern, Identität und Selbstbestimmung. Einen Tag später sprechen Regisseurin Beata Anna Schmutz und Autorin Lea Langenfelder mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Gribnitz im Kleist-Museum über feministische Lesarten und den künstlerischen Prozess. Am 10. Oktober ist eine weitere Vorstellung von „Kätzchen Käthchen“ im Kleist Forum zu sehen.
Klassiker in neuer Lesart
Das Theaterhaus Kleist Forum zeigt zudem neue und kritische Auseinandersetzungen mit klassischen Stoffen: Die „Orestie“ in der zeitgenössischen Fassung von Robert Icke mit unter anderem Hannes Rittig und Judith Rosmair (Freitag, 9. Oktober) führt einen antiken Mythos in die Gegenwart und verhandelt Fragen von Rache, Recht und öffentlicher Urteilskultur. Mit „Kohlhaas (no limits)“ richtet das Theater Bremen am Festivalsonntag den Blick auf einen der radikalsten Texte Kleists: In der Inszenierung von Felix Krakau wird die Geschichte des Michael Kohlhaas zur Frage nach Recht und Gerechtigkeit, nach Widerstand und den Grenzen legitimer Mittel.
Förderpreis für neue Dramatik
Ein besonderer Schwerpunkt liegt außerdem auf der Gegenwartsdramatik. Am 7. Oktober wird im Theaterhaus Kleist Forum der Kleist-Förderpreis für neue Dramatik 2026 an den Autor Kaleb Erdmann für sein Stück „Debritz“ (ausverkauft) verliehen. Die anschließende Frankfurter Premiere der Inszenierung des Badischen Staatstheaters Karlsruhe in Koproduktion mit dem Kleist Forum erzählt von einer fiktiven ostdeutschen Kleinstadt, einer Solequelle und unterschiedlichen Vorstellungen von Zukunft, Vergangenheit und Heimat.
Museumsführungen, Theaterspaziergang und Konzert
Darüber hinaus laden Best-of-Führungen im Kleist-Museum täglich dazu ein, die aktuelle Dauerausstellung (nur noch bis 11. Dezember 2026 zu sehen) erneut zu erleben und Heinrich von Kleist aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken – von seiner Sprache über seine Technikbegeisterung und seine Beziehung zu Wilhelmine von Zenge bis zu seiner Frankfurter Biografie. Beim Theaterspaziergang „Alles Anders“ am 10. Oktober wird die Frankfurter Obere Stadt mit künstlerischen Methoden erkundet. Den musikalischen Höhepunkt der Kleist-Festtage gestalten Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer abends auf der Bühne des Kleist Forums mit seinem neuen Programm, in dem er Chansons unterschiedlichster Herkunft zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen lässt – von Zeitgenössischem von Thomas Pigor oder Sebastian Krämer bis zu zeitlos Klassischem von Georg Kreisler oder Jacques Brel.
„Die Kleist-Festtage zeigen jedes Jahr, wie lebendig, aktuell und inspirierend Kleist ist. 2026 geht es dabei besonders um die Kreuzungen, an denen Kleists Texte auf unsere Gegenwart treffen. Damit beginnen wir schon jetzt den Dialog, den wir im Jubiläumsjahr 2027 weiterführen werden“, sagt Anke Pätsch, Direktorin des Kleist-Museums.
„Die sechs Festivaltage sind mit einem Feuerwerk der Bühnenkunst gefüllt. In einer enormen Dichte machen hochkarätige Gastspiele, Ko- und Eigenproduktionen im Theaterhaus Kleist Forum Literatur in einer ganz besonderen Weise lebendig. Dabei ist es gleichzeitig unser Anspruch, so nah wie möglich am Publikum zu sein: Beim Festivaltreff im Theaterrestaurant gibt es nach jeder Aufführung die Gelegenheit, mit den Künstler:innen und Ensembles ins Gespräch zu kommen und sich mit den anderen Festivalgästen auszutauschen“, sagt Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums.
Tickets
Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Tickets gibt es an der Theaterkasse im Kleist Forum (ticket@muv-ffo.de oder 0335 4010-120) sowie in der Deutsch-Polnischen Tourist-Information im Bolfrashaus (0335 610080-0) und an den bekannten Vorverkaufsstellen in Frankfurt und Umgebung. Online und gebührenfrei ist die Buchung unter www.kleistforum.de oder www.kleistfesttage.de möglich. Tickets für die Veranstaltungen im Kleist-Museum sind ausschließlich an der Museumskasse sowie per E-Mail (kasse@kleist-museum.de) oder telefonisch (0335 387221-30) erhältlich.
Die Kleist-Festtage werden seit 1991 jährlich im Oktober veranstaltet und sind eine Produktion des Theaterhauses Kleist Forum und der Stiftung Kleist-Museum.
Quelle: Kleist-Festtage, Pressemitteilung vom 22.09.2026




