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Neuzelle: Stiftung feiert 30 Jahre und verabschiedet Geschäftsführer

Mit einem Festakt hat die Stiftung Stift Neuzelle am Freitag, 16. Oktober 2026, ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. In Anwesenheit von Kulturstaatssekretär Tobias Dünow und zahlreichen geladenen Gästen wurde zugleich der langjährige Geschäftsführer Norbert Kannowsky in den Ruhestand verabschiedet.

Festakt 30 Jahre Stiftung Stift Neuzellev. l.: Tobias Dünow, Reiner Walleser, Norbert Kannowsky
Foto: Tobias Tanzyna

Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte das Kloster zum Jubiläum als „wahren Schatz unseres Landes Brandenburg“. „Seit drei Jahrzehnten setzt sich die Stiftung Stift Neuzelle dafür ein, die barocken Klosteranlagen zu bewahren, zu restaurieren und mit neuem Leben zu erfüllen“, erklärte er. Sein besonderer Dank gelte Norbert Kannowsky, der die Entwicklung des Stifts mehr als 20 Jahre mit großem Engagement, Weitblick und persönlichem Einsatz geprägt habe.

Tobias Dünow, der beim Festakt das Grußwort der Landesregierung hielt, ordnete die Geschichte des Ortes ein: „Neuzelle war katholische Insel in der Reformation, preußische Domäne nach der Säkularisation und Priesterseminar in der DDR. Dieser Ort hat jedes politische System überlebt, das ihn verwalten wollte.“ Was dem Kloster 1817 genommen wurde, seine Ländereien, habe das Land über die Stiftung zurückgegeben. Seitdem trage der stiftseigene Wald wirtschaftlich dazu bei, den Barock zu erhalten. „Denn Denkmalpflege ist eine Daueraufgabe, und Daueraufgaben brauchen dauerhafte Grundlagen“, so Dünow.

Das Land Brandenburg hatte die Stiftung 1996 gegründet, um die denkmalgeschützte Klosteranlage wiederherzustellen, zu bewirtschaften, für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Erbe des ehemaligen Zisterzienserklosters zu bewahren. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde das Ensemble umfassend saniert, eng abgestimmt mit Denkmalpflege und Bauforschung. Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab sind im eigens dafür gebauten Museum Himmlisches Theater im Weinberg zu sehen, der Klostergarten wurde nach den Plänen des Neuzeller Stiftsatlas von 1758 wiederhergestellt. Im Kreuzgang wurden mittelalterliche Fresken freigelegt, und auch der Fürstenflügel und die Orangerie wurden saniert.

„Dem wertvollen Gebäude- und Kunstbestand des Klosters Neuzelle ging es noch nie so gut wie heute“, sagte Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Oderland-Spree und Mitglied des Stiftungsrates, sprach von einer „riesigen Erfolgsgeschichte“.

Norbert Kannowsky blickte in seiner Festrede auf mehr als 20 Jahre als Geschäftsführer zurück: „Ich blicke mit Stolz und Dankbarkeit auf das zurück, was wir in dieser Zeit erreicht haben.“ Das Barockwunder Brandenburgs erstrahle nach umfangreichen Sanierungen, der Barockgarten sei wieder erblüht und die Passionsdarstellungen seien für künftige Generationen bewahrt. Als Zeichen der Wertschätzung überreichten ihm die Mitarbeitenden einen Aprikosenbaum, der im Klostergarten seinen Platz finden wird.

Im Januar 2027 übernimmt Mario Quast die Geschäftsführung. Der gebürtige Gubener hat die Entwicklung des Klosters nach eigenen Worten über drei Jahrzehnte mit großem Interesse verfolgt. „Die Stiftung ist sowohl eine wichtige Kulturinstitution im Land Brandenburg, aber auch gleichzeitig ein Wirtschaftsunternehmen, das auf eigene Einnahmen aus der Forstbewirtschaftung der Stiftswälder sowie aus Vermietung und Verpachtung angewiesen ist. Die Herausforderungen sind groß und vielfältig“, sagte er.

Zu Wort kamen beim Festakt außerdem Reiner Walleser, Vorsitzender des Stiftungsrates, und Tilman Schladebach, ehemaliger Leiter Marketing und Kultur der Stiftung. Musikalisch gestalteten Insa Bernds (Klavier), Rahel Kramer (Sopran) und Martin Trømberg (Tenor) vom Oper Oder Spree Ensemble 2026 die Feier, durch das Programm führte Aline Anders-Lepsch. Nach einem Empfang im Kreuzgang begann um 14:00 Uhr das öffentliche Symposium „Die Neuzeller Passionsdarstellungen – Leiden und Auferstehung einer barocken Inszenierung“.

Programm am JubiläumswochenendeSamstag, 17. Oktober 202610:00 bis 15:45 UhrRefektorium: Wissenschaftliches Symposium zu den Neuzeller Passionsdarstellungen (nur nach Anmeldung, 20 Euro)11:00 UhrKatholische Kirche St. Marien: kostenfreie Führung der Katholischen Pfarrgemeinde11:00 bis 14:00 UhrKlosteranlage und Neuzelle: Rundgänge mit den Abteilungen der Stiftung, jeweils um 11:00, 12:00, 13:00 und 14:00 Uhr16:00 UhrStiftskirche St. Marien: Festkonzert mit dem Poznaner Knabenchor, 30 EuroSonntag, 18. Oktober 202611:00 UhrKatholische Kirche St. Marien: kostenfreie Führung der Katholischen Pfarrgemeinde11:00 bis 16:00 UhrKloster Neuzelle: kostenfreie Führungen zur Europäischen Woche der Restaurierung16:00 UhrPfarrkirche Zum Heiligen Kreuz: Konzert „Alte Musik im Kloster“, 15 EuroAn beiden Tagen ist der Eintritt in die Museen von 10:00 bis 16:00 Uhr frei. Informationen und Tickets gibt es unter klosterneuzelle.de.

Quelle: Stiftung Stift NeuzelleVorschaubild: Kloster Neuzelle © Bernd Geller