Wenn ein Sensor in einer Fabrik Daten erfasst, werden diese heute meist in weit entfernte Rechenzentren geschickt – analysiert, zurückgeschickt, dann erst reagiert das System. Das kostet Zeit, Energie und birgt Risiken für den Datenschutz. Ein neues Forschungsprojekt will das grundlegend ändern: AI-DISCO soll Künstliche Intelligenz direkt dorthin bringen, wo Daten entstehen.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt mit 15 Millionen Euro. Konsortialführer ist das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik mit Sitz in Frankfurt (Oder) und Cottbus.
Was steckt hinter AI-DISCO?
Intelligente Rechenknoten, sogenannte Edge-Knoten, sollen Sensordaten künftig lokal verarbeiten – direkt am Entstehungsort, ohne Umweg über die Cloud. Nur wirklich relevante Ergebnisse werden weitergeleitet. Das senkt den Energieverbrauch, verkürzt Reaktionszeiten und schützt sensible Daten. Anwendungsfelder sind Smart Cities, kritische Infrastruktur, Industrie 4.0 und Energieversorgung.
Technisch setzt das Projekt auf RISC-V-Prozessoren, spezialisierte KI-Beschleuniger-Chips und Federated Learning – ein Verfahren, bei dem KI-Modelle dezentral trainiert werden, ohne Rohdaten zentral zu sammeln. Ergänzt wird das durch Ansätze aus der neuromorphen KI sowie Überlegungen zu Kommunikationstechnologien der nächsten Generation (6G/ISAC).
Startschuss für eine größere Idee
AI-DISCO ist das erste Modul der sogenannten R+I Factory (Research and Innovation Factory AI & Microelectronics) – einem modularen Forschungsvorhaben, das bundesweit einzigartig ist und die Schnittstelle zwischen KI und Mikroelektronik langfristig bearbeiten soll. Projektleiter Prof. Dr. Milos Krstic vom IHP sieht darin den Startschuss für eine neue Art, KI und Mikroelektronik gemeinsam zu denken – mit der Lausitz als technologischer Grundlage.
Ein Konsortium mit Gewicht
Hinter AI-DISCO steht ein breites Bündnis aus Wissenschaft und Industrie: Neben dem IHP sind die BTU Cottbus-Senftenberg, das DFKI, das Fraunhofer-Institut IPMS und das Leibniz-Institut für Neurobiologie beteiligt. Als Industriepartner bringen ABB, ENERTRAG und Perinet die Anwendungsperspektive ein. Die Initiative stärkt damit gezielt den Forschungsstandort Cottbus und schafft Kooperationen zwischen Wissenschaft und regionaler Wirtschaft.
Das Vorhaben fügt sich in die Hightech-Agenda der Bundesregierung vom Juli 2025 ein, die Mikroelektronik und KI als zentrale Schlüsseltechnologien für technologische Souveränität und schnellen Wissenstransfer in die Praxis benennt.
Das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik forscht mit über 400 Mitarbeitenden aus mehr als 30 Nationen an siliziumbasierten Systemen und zählt weltweit zu den führenden Instituten auf dem Gebiet der angewandten Mikroelektronik.
Begriffe kurz erklärt:
RISC-V: Offene Prozessor-Architektur als Basis für Chip-Designs.
Edge-Hardware: Rechenhardware nahe an der Datenquelle (kompakt, robust, energieeffizient).
KI-Beschleuniger: Spezialisierte Hardware, die KI-Berechnungen schneller und energieeffizienter macht.
Vorschaubild: HARMMONAI-KI-Beschleunigungsschaltung aus dem Team von Prof. Krstic (Universität Potsdam) und dem IHP. ©IHP2026/ Carsten Schulze
Quelle: IHP GmbH Frankfurt (Oder)




