82 Jahre nach der Tragödie: Stilles Gedenken auf dem Friedhof und an der Gedenkstätte

Mit einer Kranzniederlegung und einer bewegenden Gedenkveranstaltung hat die Stadt Erkner am Sonntag der mehr als 230 Menschen gedacht, die beim Bombenangriff vom 8. März 1944 ihr Leben verloren. Zwischen 14:29 Uhr und 15:02 Uhr hatten damals mehrere Spreng- und Brandbomben die Stadt getroffen und große Teile des Stadtzentrums zerstört – ein Datum, das sich tief in das kollektive Gedächtnis Erkners eingeschrieben hat.
Eine Zeitzeugin erzählt
Den Auftakt der Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof bildete ein erschütternder Zeitzeugenbericht: Dr. Lutz Müller vom Heimatverein Erkner e. V. verlas die Erinnerungen von Anny Höhne, Jahrgang 1922. Sie hatte am Tag des Angriffs gerade ihre Schicht in den Kugellagerwerken in der Berliner Straße beendet und sich in den unterirdischen Fertigungshallen in Sicherheit gebracht. Ihr anschließender Heimweg führte sie durch die verwüstete Friedrichsstraße – vorbei an Toten und Trümmerteilen – bis zur Langen Straße 2, wo sie ihre Mutter und ihr Kind wohlbehalten in die Arme schließen konnte.
Anny Höhnes Geschichte steht für die vielen, die überlebt haben. Doch für mehr als 230 Menschen endete dieser Tag tödlich.
Bürgermeister Pilz: „Frieden schützen durch Zusammenhalt“
An der Gedenkstätte für die Opfer von Krieg, Faschismus und Gewaltherrschaft sprach Bürgermeister Henryk Pilz. Er gedachte nicht nur der Todesopfer, sondern auch der Hinterbliebenen und all jener, die in den Jahren nach der Zerstörung die Kraft fanden, Erkner wiederaufzubauen. Mit Blick auf die Gegenwart mahnte Pilz, Verantwortung zu übernehmen und den Frieden aktiv zu schützen – durch Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt. Die Geschichte der Stadt, so der Bürgermeister, verpflichte dazu, jeder Form von Extremismus, Hass und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten.
Gebet und Stille als Zeichen der Verbundenheit
Pfarrer Carsten Schwarz von der evangelischen Genezareth-Kirche lud die Anwesenden auf dem Friedhof zum gemeinsamen Nagelkreuzgebet ein. An der Gedenkstätte las er gemeinsam mit Niklas Netzel, Mitglied im katholischen Gemeinderat, das ökumenische Friedensgebet – ein sichtbares Zeichen konfessionsübergreifender Verbundenheit im Gedenken.
Mit der Niederlegung von Kränzen, Blumen und Gestecken sowie einer gemeinsamen Schweigeminute fand die stille Gedenkfeier ihren würdevollen Abschluss.
Die Gedenkveranstaltung wird jährlich vom der Stadt Erkner organisiert, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und den Wert des Friedens für kommende Generationen zu bewahren.
Vorschaubild: Foto: Julia Schirmer / Stadt Erkner
Quelle: Stadtverwaltung Erkner




