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Der Landkreis Oder-Spree und Stadt Eisenhüttenstadt wollen die Perspektiven für ein zentrales Kulturprojekt der Region neu bündeln: das Museum Utopie und Alltag. Bei einem Vor-Ort-Termin am 28. Januar diskutierten Bürgermeister Marko Henkel, Landrat Frank Steffen, Museumsleiterin Christine Gerbich und weitere Vertreter beider Verwaltungen über dringenden Handlungsbedarf und ambitionierte Entwicklungsziele.

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Besondere Sammlung in historischem Gebäude

Das Museum vereint das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt und das Kunstarchiv Beeskow. Mit rund 170.000 Objekten der Alltagskultur und 18.500 Kunstwerken bewahrt es einen außergewöhnlich umfangreichen Bestand zur DDR-Kulturgeschichte. Das Besondere: Die Sammlung entstand partizipativ – gesammelt wurde vielfach, was Menschen als bewahrenswert empfanden.

Der Standort selbst ist Teil des Konzepts: Das Museum liegt mitten in der einst als „erste sozialistische Stadt“ konzipierten Planstadt – heute eines der größten zusammenhängenden Flächendenkmale Deutschlands. Das Museumsgebäude von 1953, ursprünglich eine Kinderkrippe, ist unter anderem durch ein frühes Buntglasfenster von Walter Womacka geprägt.

Die Dauerausstellung „Alltag: DDR“ führt in zehn Räumen durch Alltag, Politik und Gesellschaft der DDR, ergänzt um Medien- und Interviewstationen. Aktuell läuft die Sonderausstellung „Fremde Freunde. Völkerfreundschaft zwischen Ideal und Wirklichkeit“ (26. April 2025 bis 7. Juni 2026).

Wachsende Nachfrage trifft auf räumliche Grenzen

Ein symbolischer Moment verdeutlichte beim Treffen den Handlungsdruck: Als Bürgermeister Henkel und Museumsleiterin Gerbich bei einer Veranstaltung zusammentrafen, quittierte der zentrale Fahrstuhl seinen Dienst. Für ein Museum, das auf Zugänglichkeit setzt, zeigt sich darin der umfassende Sanierungs- und Entwicklungsbedarf.

„Die inhaltliche Nachfrage nach dem Museum wächst – gleichzeitig stoßen Gebäude, Depotflächen und organisatorische Abläufe an Grenzen“, so Christine Gerbich. Platzmangel in den Depots, wo etwa Möbelbestände große Kapazitäten beanspruchen, bremst die Entwicklung. Vor allem fehlen Veranstaltungsräume für Kinder und Jugendliche, Schulklassen, Touristengruppen und Forschende.

Ambitionierte Zielmarke: 2029

Museumsleiterin Gerbich plant eine neue Basisausstellung, die „in Teilen 2029 eröffnen soll“. Dafür braucht es belastbare Konzepte – auch um Förderprogramme nutzen zu können. Kulturamtsleiter Arnold Bischinger betonte, dass Förderwege zwar Chancen eröffnen, aber tragfähige Projektideen und einen Eigenanteil voraussetzen. Das Land Brandenburg hat bereits Interesse an einer perspektivischen Weiterentwicklung signalisiert.

Als konkrete Option wurde der Umbau der benachbarten ehemaligen Wochenkrippe diskutiert. Entscheidend wird, wer die Projektverantwortung übernimmt und wie Finanzierung und Trägerschaft organisiert werden.

Strukturiertes Vorgehen vereinbart

Der Landkreis sieht den Termin als Startpunkt: Die Verwaltung soll einen klaren Projektauftrag mit Zuständigkeiten und Zeitplan definieren. Die Stadt prüft eine Bestandsanalyse zu Gebäudesituation und möglichen Flächen. Ziel ist es, aus Provisorien herauszukommen und den Kreislauf zu durchbrechen, bei dem fehlende räumliche Perspektiven Förder- und Ausstellungsmöglichkeiten ausbremsen.

Ein weiterer Fokus: die kulturelle Besonderheit Eisenhüttenstadts als Planstadt stärker nutzen. Der „Dreiklang“ Museum – Stadt – Stahlwerk könnte als Entwicklungsidee Anziehungskraft auch über die Kreisgrenzen hinaus entfalten.

Weitere Schritte im April

Für April verabredeten die Beteiligten ein weiteres Treffen, um Projektauftrag, Bestandsanalyse und Förderoptionen zu konkretisieren. Als Ort der Erinnerung, Bildung und demokratischen Verständigung ist das Museum Utopie und Alltag ein kultureller Anker für Eisenhüttenstadt und die Region.

Hintergrund: Das Museum befindet sich seit 2016 in Trägerschaft des Landkreises Oder-Spree. Das Land Brandenburg stärkt die Finanzierung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR ab 2026, die Stadt Eisenhüttenstadt unterstützt den Standort durch mietfreie Überlassung von Objekt- und Depotflächen.


Quelle: LOS

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