Fast vier Jahre nach der Umweltkatastrophe in der Oder haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Bilanz gezogen. Bei einem Fachsymposium in Schwedt stellten sie am 15. Juni 2026 ihre Ergebnisse vor und übergaben Bundesumweltminister Carsten Schneider einen Bericht mit Handlungsempfehlungen.

Ihr Befund: Die Oder hat sich teilweise erholt, ist aber noch lange nicht über den Berg. Die Fischbestände in der Unteren Oder erreichen 2026 wieder ungefähr das Niveau von vor der Katastrophe. Anders sieht es bei den Großmuscheln aus – mindestens zwei Drittel von ihnen sind gestorben. Weil sie sich nur langsam vermehren, wird ihre Erholung noch viele Jahre dauern. Das ist auch deshalb ein Problem, weil Muscheln das Wasser filtern und so den Fluss sauber halten.
Dass sich die Fische schneller erholt haben, liegt vor allem daran, dass sie in ruhigere Uferbereiche und Nebengewässer ausweichen konnten. Solche Rückzugsräume sind für das Überleben entscheidend.
Was die Forschenden empfehlen
Damit die Oder widerstandsfähiger wird, raten die Fachleute vor allem zu drei Dingen: die Salz- und Nährstoffbelastung deutlich senken, Auen wiederherstellen und dem Fluss mehr Raum geben – etwa durch den Rückbau von Uferbefestigungen und die Anbindung von Nebengewässern. Von weiterem Ausbau des Flusses raten sie dagegen ab, weil das die Natur zusätzlich schwächen würde. Als Wasserstraße habe die Oder für den Güterverkehr ohnehin keine Bedeutung mehr.
Worum es 2022 ging
Im August 2022 verendeten in der Oder auf über 300 Kilometern rund 1.000 Tonnen Fische sowie unzählige Muscheln. Ursache war eine giftige Alge, die sich massiv vermehren konnte – begünstigt durch zu viel Salz aus bergbaulichen Einleitungen und eine hohe Nährstoffbelastung. Wie die Katastrophe damals ablief, zeigt die Chronik einer menschengemachten Umweltkatastrophe; Eindrücke vom Fischsterben bietet außerdem die Videoreihe „Fischsterben in der Oder“ auf YouTube.
Untersucht wurde die Katastrophe im Forschungsprojekt ODER~SO unter Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), gefördert vom Bundesamt für Naturschutz.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet weitere Forschungsergebnisse zur giftigen Goldalge Prymnesium parvum:
- So schädigte die Giftalge die Fische
- Mikroschadstoffe verstärkten die Wirkung der Algentoxine
- Komplettes Erbgut und Gift-Gene der Mikroalge entschlüsselt
Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)




