Nur 120 von 2.420 Bauarbeitern im Kreis Oder-Spree sind über 63
IG BAU Oderland fordert „Flexi-Rente“ und appelliert an heimische Bundestagsabgeordnete
Wer auf dem Bau schuftet, schafft es selten bis zur Regelaltersgrenze: Von rund 2.420 Bauarbeitern im Landkreis Oder-Spree sind aktuell nach Zahlen der Arbeitsagentur gerade einmal 120 Beschäftigte älter als 63 Jahre. Für die IG BAU Oderland ist das ein Alarmsignal – und ein Argument gegen die Pläne der Rentenkommission, die Rente mit 63 abzuschaffen.
„Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Astrid Gehrke, Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Oderland. Viele Beschäftigte könnten schon vor dem 60. Geburtstag nicht mehr weiterarbeiten, weil der Körper nicht mehr mitmache.
Forderung: eine Rente nach „Härtegrad der Arbeit“
Die Gewerkschaft kritisiert die Pläne der Rentenkommission, auf die sich die Bundesregierung stützen will. Statt einer pauschal späteren Rente fordert die IG BAU eine sogenannte „Flexi-Rente“ – einen früheren, flexiblen Übergang in den Ruhestand für Berufe mit besonders hoher körperlicher Belastung. Das betrifft nach Ansicht der Gewerkschaft nicht nur das Bauhauptgewerbe, sondern auch die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung sowie den Garten- und Landschaftsbau.
Besonders scharf kritisiert die IG BAU Oderland die diskutierte Abschaffung der Rente mit 63. Betroffen wären laut Gewerkschaft, gestützt auf Berechnungen des Pestel-Instituts, allein im Landkreis Oder-Spree rund 31.400 Baby-Boomer, die in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen. Viele von ihnen hätten bereits 45 Beitragsjahre voll – ihnen die Rente mit 63 kurzfristig zu streichen, koste aus Sicht der Gewerkschaft politisches Vertrauen.
Streitpunkt Rentenniveau
Auch beim Rentenniveau sieht die IG BAU Oderland Nachbesserungsbedarf: Der Rentenkommission fehle eine garantierte Haltelinie. Die Gewerkschaft fordert, dass das Niveau ab 2031 nicht unter 48 Prozent fallen und mittelfristig wieder auf mindestens 53 Prozent steigen soll – auch mit Blick auf den geplanten Übergang zu einer kapitalgedeckten Zusatzrente. Die IG BAU Oderland appelliert deshalb an die heimischen Bundestagsabgeordneten, in ihren Fraktionen in Berlin „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung nachzubessern.
Bildquelle: IG BAU | Alireza Khalili




