Die Region ist beim Brandenburgischen Baukulturpreis 2025 gleich doppelt vertreten: Der Hauptpreis ging an die neue Eisenbahnüberführung über die Oder bei Küstrin, einen Sonderpreis erhielt die Sanierung und der Umbau des Rathauses Frankfurt (Oder). Brandenburgs Bau-Staatssekretär Volker-Gerd Westphal eröffnete am 6. Mai 2026 in Potsdam die begleitende Ausstellung.

Hauptpreis: Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin
Die neue Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin wurde in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bahn AG und der polnischen Staatsbahn PKP geplant und errichtet. Sie ist Teil des Streckenerneuerungsprojekts „Ostbahn“ Berlin – Kostrzyn nad Odrą – Gorzów – Bydgoszcz und wurde als staatsvertraglich geregeltes Grenzbauwerk umgesetzt – ein Sinnbild für das Zusammenwachsen Europas.
Mit ihrer schlanken Form fügt sich die Brücke harmonisch in die Flusslandschaft ein und setzt durch ihre Farbgebung zugleich eine markante Landmarke. Der 266 Meter lange Neubau besteht aus einer 130 Meter langen zweigleisigen Netzwerkbogenbrücke und einer integrierten Vorlandbrücke. Das in Verbundbauweise ausgeführte Bauwerk besticht durch filigrane Eleganz und höchste Leistungsfähigkeit. Eine technische Besonderheit: Statt herkömmlicher Flachstahlhänger kamen vorgespannte Zugglieder aus Carbon zum Einsatz – das senkte das Eigengewicht, die Baukosten und den späteren Unterhaltungsaufwand erheblich. Eine spezielle Verschubtechnik während der Montage verkürzte zudem die Bauzeit und verringerte den Eingriff in Natur und Landschaft. Die Verkehrsfreigabe der Brücke erfolgte am 29. Juli 2024 nach mehr als drei Jahren Bauzeit. Eine spätere Elektrifizierung ist vorgesehen.
Die Jury würdigte die Vorbildwirkung im Sinne der Brandenburger Erklärung zur Baukultur „Gute Baukultur – Ein Gewinn für alle Städte und Gemeinden“.
Entwurf: Schüßler-Plan (Objekt- und Tragwerksplanung), Knight Architects (Architektur)
Sonderpreis: Sanierung und Umbau Rathaus Frankfurt (Oder)
Den Sonderpreis für öffentliches Bauen im Bestand erhielt die Sanierung und der Umbau des Rathauses Frankfurt (Oder). Das Gebäude gehört zu den ältesten der Stadt und besteht aus zwei Teilen: dem historischen Rathaus aus dem 13. und 14. Jahrhundert und einem dreiflügeligen Erweiterungsbau um einen Innenhof, der 1913 fertiggestellt wurde. Der prunkvolle Südgiebel des mittelalterlichen Gebäudeteils entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zwischen 1607 und 1610 kam im Stil der Renaissance der nördliche Rathausturm hinzu.
Das Rathaus ist ein bedeutsames Zeugnis der gotischen Profanbaukunst Norddeutschlands. In seiner über 700-jährigen Geschichte – nicht zuletzt durch die Zerstörung der historischen Innenstadt im Zweiten Weltkrieg – wurde es stark verändert. Im Zusammenspiel mit der Marienkirche behielt es trotz aller Eingriffe seine identitätsstiftende Bedeutung für die Stadt. Im Inneren hatte es jedoch durch verschiedene Einbauten viel von seiner Qualität und Großzügigkeit verloren.
Mit der Sanierung ist es gelungen, das Versprechen des beeindruckenden Äußeren auch im Inneren erlebbar zu machen. Ein lichtdurchflutetes Atrium lädt ein, ein schwellenloser Zugang öffnet das Haus für alle Besucherinnen und Besucher. Eine kluge Tragkonstruktion verbindet die Galerie-Ebenen stützenfrei miteinander, eine anspruchsvoll gestaltete Decke gibt dem Raum besonderen Charakter. Holzelemente in unterschiedlichen Formen und Oberflächen ziehen sich als wiederkehrendes Motiv durch das Gebäude und passen sich in der Wandelhalle paraventartig in die mittelalterlichen Strukturen ein. Durch die behutsame Wegnahme von Überformungen werden die einzelnen Bauphasen wieder erkennbar.
Bund und Land bewilligten für die Sanierung rund 18,9 Millionen Euro Stadtumbaumittel. Aus dem ehemaligen Zweckbau ist ein offenes Haus der Stadtpolitik geworden, das zur Wertschätzung des Gemeinwesens beiträgt.
Entwurf: Feldhusen Fleckenstein, Schwarz Architekten
Ausstellung in Potsdam zu sehen
Die Ausstellung „Brandenburgischer Baukulturpreis 2025″ zeigt alle ausgezeichneten Projekte. Sie ist vom 7. Mai bis 21. Juni 2026 in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam (Am Kanal 47) während der Öffnungszeiten im Foyer zu sehen. Ausgelobt wird der Preis von der Brandenburgischen Architektenkammer und der Brandenburgischen Ingenieurkammer mit Unterstützung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung – in diesem Jahr bereits zum neunten Mal. Insgesamt waren 74 Projekte eingereicht worden. Die Preise sind mit insgesamt 21.000 Euro dotiert.
Weitere Informationen sowie eine begleitende Broschüre sind unter www.ak-brandenburg.de/baukultur/brandenburgischer-baukulturpreis/2025 abrufbar.
Vorschaubild: Rathaus Frankfurt (Oder) ©OSF
Quelle: MIL Land Brandenburg




