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Am 28. Mai findet im Kunstspeicher Friedersdorf (Frankfurter Straße 39, 15306 Vierlinden) um 15:30 Uhr die 60. Plauderstunde der Radiofreunde Friedersdorf statt. Deren Dauerausstellung zur Radiogeschichte wurde im März 2026 vom Landkreis Märkisch-Oderland als Kulturgut eingestuft – ein besonderer Anlass für ein besonderes Jubiläum. Als Gast wird der Schriftsteller und Verleger Michael Schuster erwartet, der über das Leben und Wirken des nahezu vergessenen Schriftstellers Gerhart Pohl berichten wird.

Der Besuch hat auch einen zeithistorischen Bezug: Vor genau hundert Jahren, am Abend des 21. Juli 1926, trat Gerhart Pohl bei der Funkstunde Berlin erstmals vor ein Rundfunkmikrofon. Bis 1932 war er als Moderator, Gesprächspartner und Vortragender eigener Werke in ganz Deutschland zu hören – eine Pionierrolle im noch jungen Medium Radio.

Pohl, 1902 in Schlesien geboren, war weit mehr als ein Rundfunkpionier. Nach seinem Umzug nach Berlin entwickelte er aus der Literaturzeitschrift „Die neue Bücherschau“ das führende linksgerichtete Kulturmedium der Weimarer Republik, das europaweit Beachtung fand. Seine Kontakte lasen sich wie ein Who’s who der Literatur jener Zeit: Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Johannes R. Becher und Gerhart Hauptmann gehörten zu seinem Bekannten- und Freundeskreis. Brecht war es, auf dessen Talent Pohl als einer der Ersten öffentlich aufmerksam machte.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete Pohls goldene Berliner Zeit abrupt. Sein Werk landete auf dem Scheiterhaufen der Bücherverbrennung. Er zog sich in sein Haus im riesengebirgischen Wolfshau zurück und nutzte die Lage unterhalb der Schneekoppe, um Schriftstellern, Künstlern und Verfolgten die Flucht über die grüne Grenze in die Tschechische Republik zu ermöglichen. Sein Haus wurde zur Anlaufstelle für Widerstandskämpfer, darunter Angehörige des Kreisauer Kreises wie Theodor Haubach und Carlo Mierendorff, für die er auch als Poststation fungierte.

Nach dem Krieg begleitete Pohl Gerhart Hauptmann in dessen letzten Lebensjahren und organisierte gemeinsam mit Johannes R. Becher die Überführung des Leichnams des Nobelpreisträgers in die sowjetische Besatzungszone – bekannt als der „Hauptmannzug“.

Diesem weitgehend in Vergessenheit geratenen Leben hat der Schriftsteller Michael Schuster mehr als ein Jahrzehnt intensiver Archivarbeit gewidmet. Das Ergebnis ist die Romantrilogie „Gerhart Pohl – Ein Schriftsteller im Sturm der Zeit“, von der die ersten beiden Bände „Sonnentage“ und „Schattenlicht“ bereits gedruckt vorliegen. „Sonnentage“ erzählt von Pohls Aufstieg im Berliner Literaturbetrieb der frühen Weimarer Republik, von Freundschaften, Idealen und dem schleichenden Aufziehen des Faschismus. „Schattenlicht“ führt die Geschichte weiter durch die Weltwirtschaftskrise bis zur Machtübernahme 1933. Alle historischen Ereignisse im Buch haben so stattgefunden, die überwiegende Mehrheit der Figuren hat wirklich gelebt.

Prof. Eberhard Görner, Filmautor und Dramaturg, kommentierte das Werk: Man fühle und sehe die literarische Blase der Weimarer Republik, „hinter deren Rücken sich das deutsche Unglück uniformiert.“

Den dritten Band der Trilogie arbeitet Schuster derzeit aus – und verspricht, dass es darin noch einige überraschende Spannungsfelder zu entdecken geben wird.

Kunstspeicher Friedersdorf · Frankfurter Straße 39 · 15306 Vierlinden · 28. Mai 2026 · 15:30 Uhr


Quelle: Schuster Verlag Baalberge 

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