Sicherere Schulwege, barrierefreie Gehwege, lebenswertere Wohnquartiere: Das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) hat in drei Kommunen untersucht, wie das Zufußgehen im Alltag verbessert werden kann. Jetzt liegen die Ergebnisse vor – und sie sollen Schule machen.

Fünf Monate lang führten Frankfurt (Oder), Zeuthen und Finsterwalde sogenannte Fußverkehrschecks durch. Dabei analysierten Fachgutachter gemeinsam mit Verwaltung und Bürgerschaft konkrete Problemstellen im Stadtgebiet: gefährliche Straßenquerungen, fehlende Barrierefreiheit, schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr. Das Ziel dahinter ist langfristig: Brandenburg will, dass künftig 25 Prozent aller Wege zu Fuß zurückgelegt werden.
Verkehrsminister Detlef Tabbert macht keinen Hehl daraus, dass Fußgänger in der Verkehrsplanung lange stiefmütterlich behandelt wurden: „Schöne und vor allem sicherere Fußwege sollten ein integraler Bestandteil unseres Verkehrssystems und einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung sein.“ Die Erkenntnisse aus den Pilotprojekten sollen nun auf weitere Kommunen im Land übertragen werden.
Was die drei Kommunen herausgefunden haben:
In Frankfurt (Oder) rückte der Stadtteil Frankfurt-West in den Fokus. Rund um Grundschule und Gymnasium herrscht zur Schulzeit dichtes Verkehrschaos – mit teils gefährlichen Situationen für Kinder. Das Projekt brachte Eltern, Schule, Anwohner und Verwaltung erstmals systematisch an einen Tisch und stärkte zugleich die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung.
In Zeuthen, einer wachsenden Pendlergemeinde südlich von Berlin, sind es vor allem die langen Schulwege durch ein weitläufiges Gemeindegebiet, die Sorgen bereiten. Die aktive Bürgerschaft erarbeitete konkrete Verbesserungen: mehr Sitzbänke, neue Beschilderung, bessere Beleuchtung und Schulprojekte zur Sensibilisierung. Für größere Infrastrukturmaßnahmen ist die Gemeinde jedoch weiterhin auf Landesmittel angewiesen.
In Finsterwalde stand der Südkomplex im Mittelpunkt – ein gewachsenes Wohngebiet mit in die Jahre gekommenen Gehwegen. Barrierefreie und sichere Verbindungen zu Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und Haltestellen sind dort für alle Altersgruppen ein dringendes Anliegen. Auf Grundlage des neu beschlossenen Stadtentwicklungskonzepts (INSEK) soll nun ein städtebauliches Gesamtprogramm für den Südteil entstehen, das die Ergebnisse des Fußverkehrschecks aufgreift.
Das Ministerium wertet das Pilotprojekt als Erfolg und will den Wissensaustausch zwischen den Kommunen künftig aktiv fördern. Fußverkehr, so lautet das Fazit, darf kein Randthema mehr sein – sondern gehört in die Mitte der Stadt- und Verkehrsplanung.
Quelle: MIL Land Brandenburg



